Promis sprechen über ihre psychischen und mentalen Erkrankungen

Immer mehr Promis treten mit ehrlichen Worten über ihre psychischen und mentalen Erkrankungen an die Öffentlichkeit. Damit machen sie vielen Menschen Mut

Selena Gomez gehört zu den Stars, die sich offen über ihre psychischen Erkrankungen äußern.
Quelle: IMAGO / NurPhoto

Egal, ob bei Promis oder geliebten Menschen in unserem Umfeld – wenn wir von ihnen erfahren, dass sie psychisch leiden, sind wir oft erst einmal überrascht. Mittlerweile hat sich unsere Gesellschaft auf den Weg zu mehr Offenheit im Umgang mit unserer Psyche gemacht und dass sich hinter einem strahlenden Lächeln häufig schwere Schicksalsschläge und psychische so wie mentale Erkrankungen stecken können, ist heute nicht mehr so überraschend wie noch vor ein paar Jahren. Vielen Menschen gibt es Mut und Kraft, über ihre Leiden zu sprechen, dachten sie davor noch, sie müssten sich damit verstecken und allein bleiben.

Ein Hinweis vorab: Da es in diesem Artikel um psychische Krankheiten, Essstörungen und Suizid geht, könnte der Inhalt für manche Menschen belastend sein. Wenn es dir gerade nicht gut geht, dann ließ den Artikel lieber in der Anwesenheit einer Vertrauensperson.

Diese Stars sprechen offen und ehrlich darüber, mit welchen psychischen und mentalen Krankheiten sie leben:

#1 Selena Gomez

Die Sängerin und Schauspielerin hat ihr Image als Disney-Star mittlerweile weitestgehend abgelegt. Wenn es um ihre psychische und physische Gesundheit geht, gehört sie zu den Vorreitern unter den Stars, was Offenheit angeht. 2015 gab sie bekannt, dass sie unter der Autoimmunerkrankung Lupus leide. Daraufhin nahm sie sich eine Auszeit von der Schauspielerei. Nicht nur benötigte sie eine Nierenspende, sondern litt in Folge dieser Erkrankung an Depressionen und Angstzuständen.

Doch das ist nicht alles:

Selena Gomez lebt mit Lupus und einer bipolaren Störung.
Quelle: IMAGO / NurPhoto

Während eines Interviews mit „Good Morning America“ sprach sie nun auch so offen wie nie über ihre bipolare Störung. Betroffene einer bipolaren Störung erleben extreme Schwankungen des Antriebs, der Stimmung und des Denkens. In den Hochphasen, der sogenannten Manie, sind Betroffene äußerst aktiv und euphorisch, erleben jedoch häufig auch einen Kontrollverlust, z. B. wenn es um den Konsum von Suchtmitteln geht. Ist die Manie besonders stark ausgeprägt, kann es sogar zu Größen- und Verfolgungswahn kommen. Das ist besonders problematisch, wenn sich Betroffene dadurch in gefährliche Situationen bringen, weil sie ihre eigene Leistungsfähigkeit überschätzen. Der andere Pol ist die depressive Stimmung, die von extremer Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen und Gefühlen von Wertlosigkeit gezeichnet ist.

Gomez selbst sagt, dass die Diagnose über die bipolare Störung sie „richtig glücklich gemacht hat, weil ich anfing, eine Beziehung zu mir selbst zu haben und ich denke, das ist das beste daran. So glücklich wie jetzt war ich wahrscheinlich noch nie.“ Das soll bestimmt nicht heißen, dass eine bipolare Störung keine schwerwiegende Beeinträchtigung im Alltag ist – doch die Diagnose hat es ihr ermöglicht, die Hilfe in Anspruch zu nehmen, die sie dafür braucht. Und das kann das Leben langfristig so viel leichter machen.

Auf der nächsten Seite geht es um Depressionen. Wenn dich das Thema derzeit belastet, dann kannst du die Seite natürlich überspringen.

Kurt Krömer redet mittlerweile offen über seine Depressionen.
Quelle: IMAGO / Stefan Schmidbauer

#2 Kurt Krömer

Gerade bei Komiker:innen fällt es oftmals schwer, die Privatperson von der Kunstfigur zu trennen. Ein Komiker, der Depressionen hat? Dass das eine Kombination ist, die alles andere als unmöglich ist, hat uns 2014 der unerwartete Suizid von Schauspieler Robin Williams auf schmerzliche Weise gelehrt. Er hatte unter der Krankheit gelitten.

Auch der deutsche Comedian Kurt Krömer, der eigentlich Alexander Bojcan heißt, lässt mittlerweile in seine Psyche blicken. So schrieb er ein Buch, das den Titel „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst – Meine Depression“ trägt. In einem Deutschlandfunk-Interview erläutert er den Buchtitel wie folgt: „Ich habe das mal die ‚negative Depressionsschraube‘ genannt [...] Du hast nur negative Gedanken und ‚katastrophisierst'.“ Wer an Depressionen leide, habe auch mit einem angeknacksten Selbstwert zu kämpfen, was bei Betroffenen zu dem Gedanken führen kann, alle würden sie hassen. Menschen mit Depressionen gehen häufig vom Schlimmsten aus.

Um seine Depression in den Griff zu bekommen, blieb dem Komiker letztendlich nur noch der Aufenthalt in einer Klinik. Auch wenn er davor Angst hatte, begriff er dadurch, wie ernst die Lage war. Die Klinikärzt:innen halfen ihm, mit der Krankheit umzugehen – anschließend war für ihn der Zeitpunkt gekommen, sich mit seiner Erkrankung an die Öffentlichkeit zu wenden. In seinem Buch beschreibt der Vierfach-Vater seinen Leidensweg und hofft, anderen Betroffenen damit helfen zu können.

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#3 Jan Leyk

Der „Berlin – Tag & Nacht“-Star Jan Leyk machte 2019 öffentlich, dass er unter Panikattacken leide. In einem Video beschreibt er eindrücklich, wie sich eine solche Attacke anfühlen würde – „Schwere Beine, taube Arme, ein trockener Mund, Kurzatmigkeit, heiß, kalt, schweiß auf der Stirn, Herzrasen, Übelkeit und Schwindel. War's das jetzt?“ Wegen einer solchen Attacken wurde Leyk mit dem Notarzt ins Krankenhaus gefahren. Was sich körperlich lebensbedrohlich anfühlte, fand jedoch in seinem Kopf statt.

Menschen, die unter Panikattacken leiden, haben häufig so starke körperliche Symptome, dass sie denken, sie würden die Attacke nicht überleben. Für Leyk wurde durch seine psychische Erkrankung schnell klar, dass er sein Leben anders gestalten müsse. Er habe ein aufregendes Leben im Rampenlicht geführt, doch „gleichzeit auch vergessen, zwischendurch auf die Bremse zu treten.“ Es ginge eben nicht um Likes und „die neuste Rolex am Handgelenk“, sondern um die Menschen, die einen lieben, so wie man ist. Mit diesen Worten spricht er sicherlich vielen Menschen aus der Seele.

Auf der nächsten Seite geht es um Essstörungen. Wenn du dich von dem Thema lieber fernhalten möchtest, dann überspringe die nächste Seite.

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#4 Romina Palm

Die ehemalige GNTM-Teilnehmerin verriet Ende 2021 in einem YouTube-Video, dass sie seit Jahren eine Essstörung habe. Sie leide unter Magersucht. Kurz schneidet sie im Video an, dass auch bei ihr die psychische Krankheit ihren Ursprung in der Kindheit habe, näher darüber sprechen wolle sie jedoch nicht. Sie erzählt, wie viel „Lebensqualität [ihr die Krankheit] geraubt“ habe, doch gleichzeitig habe ihr das genaur Rationieren, was sie esse, damals ein Gefühl von Kontrolle gegeben – oder zumindest ein solches vorgegaukelt. Die Aussicht auf die Teilnahme bei GNTM habe bei ihr wieder eine Abwärtsspirale ausgelöst, dazu kam, dass der Wunsch nach Kontrolle über das Essen bei ihr teilweise genau das Gegenteil ausgelöst habe – Heißhungerattacken und einen kompletten Kontrollverlust über das, was sie zu sich nahm.

Während „Germany's Next Topmodel“ habe sich ihre Essstörung gebessert, auch habe sie sich dort Freundinnen anvertraut. Doch als es auf das Finale zuging, habe sie wieder verstärkt mit der Krankheit kämpfen müssen, woraufhin sie sich schließlich Hilfe suchte. Heute, so sagt sie, kann sie ihren Körper mehr lieben und ist mehr sie selbst.

Auf der nächsten Seite geht es um Traumaerfahrungen und gestörtes Essverhalten.

Sophie Turner leidet unter dem Trauma, das bestimmte Folgen von „GoT“ hervorgerufen haben.
Quelle: IMAGO / PA Images

#5 Sophie Turner

Die Serie „Game of Thrones“ machte sie weltweit bekannt, doch die teilweise grauenvollen Szenen hinterließen bei Sophie Turner ihre Spuren. Turner war gerade einmal 15 Jahre alt, als sie für die Show gecastet wurde. Die Gewalt und Manipulation, die ihr Charakter Sansa Stark letztendlich zu der abgebrühten, gehärteten Königin des Nordens machte, ließen wohl auch die Privatperson nicht unberührt. Die Schauspielerin sagt, „Ich bin sicher, dass ich im Laufe der Zeit einige Symptome eines Traumas aufweisen werde  [...] In dem Alter konnte ich vieles von dem, was in der Szene passiert ist, noch gar nicht begreifen.“ In der genannten Szene geht es um sexuellen Missbrauch.

Als wäre das nicht genug, führten Kommentare in den Sozialen Medien bei ihr zu einem gestörten Essverhalten und einer verzerrten Selbstwahrnehmung. Elle erzählte sie, dass deshalb eine zeitlang eine Therapeutin bei ihr gelebt habe, die darauf geachtet habe, dass sie nicht in ungesunde Gewohnheiten zurückrutscht. Der beste Ratschlag ihrer Therapeutin? „Weißt du, es interessiert eigentlich niemanden. Ich weiß, dass du das denkst, aber niemand sonst denkt das. Du bist nicht so wichtig [...] Das war das Beste, was mir jemand hätte sagen können.“

Zuletzt geht es darum, all unseren Gefühlen Raum zu geben:

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#6 Ruth Moschner

Wenn die eigenen Gefühle von uns nahestenden Erziehungspersonen nicht ernstgenommen werden, kann das dazu führen, dass man keinen gesunden Umgang mit seinen eigenen Gefühlen lernt. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass man sie entweder nicht regulieren kann oder sie gleich ganz unterdrückt. Mit Ausdrücken wie „Heulsuse, Tränentusse, Mädchen! Schäm dich!“ geht Ruth Moschner ganz direkt um: Sie spricht es öffentlich auf ihrem Instagram-Kanal an und zeigt sich in einem verletzlichen Moment. Dazu gehört viel Mut, denn in den Sozialen Medien zeigen viele nur die Highlights ihres Lebens, ungern aber die Lowlights. Dass alle Gefühle ihre Berechtigung haben und hinterfragt werden sollte, woher sie kommen, macht die Sat.1-Moderatorin mit diesem Post deutlich. Lieber die Gefühle und Emotionen (in einem sicheren Rahmen) rauslassen, denn sie sei „mittlerweile davon überzeugt, dass, wer seine dunklen Seiten ablehnt oder verdrängt, irgendwann krank wird.“

Wenn du das Gefühl hast, dass du Hilfe brauchst, dann kannst du dich an deine Hausärztin oder deinen Hausarzt wenden. Hier bekommen Erkrankte und Angehörige 24 Stunden am Tag Soforthilfe: 0800-1110111 und 0800-1110222. Das Angebot ist anonym und kostenlos. Die Telefonseelsorge kannst du auch per Chat, E-Mail oder vor Ort erreichen.